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Die Siechenhauskapelle, gelegen am östlichen Stadtrand an der Straße Richtung Beinstein, ist eines der ältesten Gebäude Waiblingens und von großer stadtgeschichtlicher Bedeutung. Erbaut 1473, stand die Kapelle ehemals in baulicher Einheit mit dem zweiten, 1559 erbauten und 1972 abgerissenen Siechenhaus in der Beinsteiner Straße, am ehemaligen Handelsweg ins Remstal. Das erste Siechenhaus ist für 1350 nachgewiesen. Sie war einst von einem Friedhof umgeben, auf dem die Aussätzigen beigesetzt wurden und gehört zu den wenigen Gebäuden, die den großen Stadtbrand von 1634 überstanden haben.

Hier wurde der Gottesdienst für die Bewohner des benachbarten Siechenhauses gefeiert, die aufgrund ihrer Lepraerkrankung nicht an den Gottesdiensten in der Stadtkirche teilnehmen durften. Die "Siechen" oder Aussätzigen waren zu einem gläubigen Leben außerhalb der Gesellschaft verbannt und ihre Leprahäuser befanden sich immer an Handelswegen oder Durchgangsstraßen, da sie auf Almosen ihrer Mitmenschen angewiesen waren. Mit Hilfe der landwirtschaftlichen Flächen des nahegelegenen Gewanns „Siechengärten“ konnten sich die Aussätzigen selbst versorgen.

Über die Jahrhunderte änderte sich die Nutzung der Siechenhauskapelle immer wieder: ehemals Kapelle der Aussätzigen, 1848 Schiesshaus, zeitweise Abstell- und Geschirrhütte, später Treffpunkt der Hitlerjugend, dann Waschhaus und zuletzt Vereinsheim der DLRG bis 2012.

Noch hält das Kleinod einen "Dornröschenschlaf" aber es bleibt spannend, was die weiteren Forschungen des Heimatvereins zutage fördern. Ein erster Schritt, sich der Kapelle und ihrer Geschichte zu erinnern, wurde im Dezember 2013 mit dem Anbringen einer Informationstafel, die der Heimatverein Waiblingen gestiftet hat, getan. Im Sommer 2014 wurden die neuzeitlichen Einbauten, Hinterlassenschaften der profanen Nutzung der vergangenen 200 Jahre, zurückgebaut.

Im März 2016 ist die Kapelle baulich und denkmalpflegerisch durch die Fa. Mäule&Krusch untersucht worden. Nachgewiesen werden konnte die Ausmalung der Kapelle, sowie zwei Hagioskope (Lepraspalten). Ein drittes Hagioskop ist dagegen wohl abgegangen oder noch nicht freigelegt. Mit den z.Z. fragmentarisch freigelegten Wandmalereien bestätigten sich mindestens 3 lebensgroße Heiligenfiguren.

Eine ausführliche Darstellung des aktuellen Forschungsstands zu Geschichte und Bedeutung der Waiblinger Siechenhauskapelle ist erschienen in Band 18 der Schriftenreihe „Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart“. Wer alte Fotos oder Geschichten zur Siechenhauskapelle hat, darf sich gerne an den Heimatverein wenden.

 

Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen zum Siechenhaus haben freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Ansprechpartner ist Herr Kießling, Mail: siechenhaus@hvwn.de

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