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Das repräsentative Gebäude mit seinem vierfach vorspringenden Giebel steht auf einem der höchsten Punkte der Altstadt und grenzte früher mit seinem mittlerweile teilweise überbauten Garten an die Stadtmauer. 1253 war ein Grundstück in Waiblingen durch eine Schenkung der Gräfin Mathilde von Wirtenberg in den Besitz des Klosters Adelberg übergegangen. 1260 entstand die sogen. 'Adelberger Pflege' als Niederlassung des Klosters in der Stadt, die spätestens seit 1433 an dieser Stelle belegt ist. Dies ist der einzige belegte Pfleghof in der mittelalterlichen Stadt.

1649-1669 wurde das beim Stadtbrand zerstörte Gebäude über dem früheren Keller und auf den alten Fundamenten unter Verwendung noch vorhandener Bauteile (u. a. gotische Pforte auf der Rückseite, Schießscharte auf der Südseite) in seiner heutigen Gestalt neu errichtet. Der geräumige Keller (heute Veranstaltungsraum) und die darüberliegende, mit Holzsäulen versehene Halle (heute Ausstellungsraum) deuten auf die ursprüngliche Nutzung als Pfleg- und Zehnthof des Klosters Adelberg hin. Die oberen Stockwerke bestehen aus Fachwerk und werden früher wie heute als Wohnraum genutzt.

Der Name 'Kameralamt' geht auf die Verwaltungs- und Finanzreform im beginnenden 19. Jahrhundert zurück. 1807 wurden alle staatlichen Finanzstellen des Bezirks im Kameralamt zusammengeschlossen, das hier untergebracht war. Das Gebäude kam 1889 in Privatbesitz, ab 1919 diente es erneut als Finanzamt. 1977 erwarb die Stadt das Gebäude und führte eine aufwändige Sanierung durch.

Abb.: Kameralmt in der Langen Straße, aufnahme aus den 1950er Jahren (Heimatverein Waiblingene.V., Fotoarchiv Schwarzmaier)

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