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Der Beinsteiner Torturm ist der remsseitige Zugang zur Altstadt und blieb als einziges mittelaterliches Stadttor erhalten. Von hier aus führten einst die Straßen nach Winnenden und über Beinstein nach Schorndorf. Bei der Erstanlage der Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert war hier wohl nur ein verstärktes Tor.

Der Turm steht außerhalb des Stadtmauerrings, der sich 18 Meter stadteinwärts zu einem befestigten Durchgang in die Stadt öffnete. Dazwischen stand das Torwarthaus, in dem 1650-1668 der Bäcker Caspar Schiller, Ururgroßvater von Friedrich Schiller, als junger Mensch wohnte. Die Torwarthausanlage ist 1834/35 abgebrochen worden.

Abb.: Beinsteiner Torturm und innere Remsbrücke, Foto aus den 1930er Jahren (Archiv Heimatverein Waiblingen e.V., Fotoarchiv Rummel)

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dienste das Stadttor auch als Gefängnis, die vergitterten Fenster der Gefängniszellen sind bis heute erhalten. Da durch das Tor früher die Schweine zur Weide auf den Wasen oder in die Sauhalde getrieben wurden, heißt der Turm im Volksmund heute noch auch 'Säuturm'. Nach gründlicher Renovierung im Jahr 1978 sind im Turm die Heimatstuben der Csavolyer untergebracht worden, für deren ungarischen Heimatort Waiblingen die Patenschaft übernommen hat.

Abb.: Grundrisszeichnungen Beinsteiner Tor (Hochbauamt der Stadt Waiblingen)

Die innere, steinerne Remsbrücke wurde 1737/38 auf älteren Fundamenten von Johann Adam Groß erstellt. Dagegen ist die äußere Stahlbetonbrücke erst 1927/29 voll befahrbar gemacht worden.


Die Bildwerke am Beinsteiner Tor

Der obere Wappenstein von 1491, das sogen. 'Eberhardswappen', erinnert an die Glanzzeit der Stadt am Ende der wirtembergischen Grafenzeit. Das von zwei Engeln gehaltene Stadtwappen mit den seitenverkehrten Hirschstangen könnte eine Huldigung der Stadt an den Grafen Eberhard (V.) im Bart sein, zumal der Stein ein späteres Gegenstück zum Ulrichswappen am Fellbacher Torturm gewesen ist. Das Eberhardswappen mit den wirtembergischen Hirschstangen und den Mömpelgard-Barben ist von zwei Palmen (in Erinnerung an eine Palästinareise Eberhards im Jahre 1468) und mit des Grafen Wahlspruch AT (T)EM(P)TO (Ich wag es!) eingerahmt.

Abb: Das 'Eberhardswappen' am Beinsteiner Torturm (Zustand um 1930); Archiv Heimatverein Waiblingen

Die beiden farbigen Putzgemälde in Sgraffito-Technik sind erst 1938 angebracht worden (Entwurf: Kurt Ehehalt, Ausführung: Adolf Winkler). Das breite Monumentalbild stellt Schwerpunkte der Stadtgeschichte dar: in der Mitte einen staufischen Ritter, links die Stadterhebung um 1250, unten und rechts die Zerstörung der Stadt im Jahre 1634.

Die untere Darstellung erinnert an Herzog Ulrichs Waiblinger Fahnenträger Ernö, dem in einem Gefecht bei Hedelfingen 1519 beide Hände abgeschlagen wurden und der todesmutig versucht, das Fahnentuch mit den Zähnen zu zerreißen um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen.

 

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