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Das Wegenetz der Nächstenliebe

Im Februar 2008 werden zwei ehemalige Waiblinger Bürger, der evangelische Dekan Hermann Zeller und seine Frau Elsbeth posthum mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die der Staat Israel an Nichtjuden vergibt: den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ tragen die Zellers und außer ihnen weltweit 22.000 Personen, die unter Einsatz des eigenen Lebens Juden vor dem Holocaust gerettet haben.

Die Zellers sind hoch geachtete Waiblinger Mitbürger in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der evangelische Dekan, 1883 geboren, hatte 1941 selbst die Trauerrede auf zwei seiner Söhne gehalten, die 1941 in Russland gefallen waren. Die Waiblinger bewundern die Ruhe, die das Ehepaar ausstrahlt. Schon zu beginn der Naziherrschaft hatte Hermann Zeller Mut gezeigt, als er gegen die Gleichschaltung der Kirchen ein Protestschreiben verfasste und von der Kanzel der Michaelskirche herab kritisch gegen die Rassenideologie des aufkommenden Terrorregimes äußerte – letztendlich ohne Erfolg. Das alles wissen die Waiblinger … Was sie nicht wissen, nicht wissen dürfen, ist das geheime Engagement der Zellers im Bruderring, einem konspirativen Netzwerk aus württembergischen Pfarrersfamilien, die untergetauchte Juden verstecken und so vor der Deportation in die Vernichtungslager der Nazis retten.

2.000 Kilometer quer durch das Deutsche Reich haben Hans und Grete Ackermann zurückgelegt, als sie im April 1945 in Waiblingen stranden. Zu Fuß, per Zug, auf Ladeflächen von Lastwägen von Leipzig über Berlin und Pommern, kreuz und quer durch Württemberg. 800 Tage auf der Flucht vor Nazi-Deutschland. In mindestens 66 Häusern fanden der ehemals wohlhabende jüdische Filmverleiher und seine Frau Unterschlupf. Über 4 Wochen gewähren die Zellers den Ackermanns, die unter dem Namen Krakauer sogar am öffentlichen Leben in Waiblingen teilnehmen um keinen Verdacht auf sich zu ziehen, Unterkunft. Die Geschichte ist so unglaublich, dass der amerikanische Stadtkommandant zuerst kein Wort davon glauben will, als das Ehepaar nach der Kapitulation sein Versteck im Dekanat verlässt und sich bei ihm meldet. 

Mindestens verfolgte 13 Personen jüdischen Glaubens sind nachweislich durch das Hilfsnetz des schwäbischen Bruderringes gegangen und so gerettet worden, allein 150 bis 200 mutige Menschen sind an der selbstlosen Rettung der Krakauers beteiligt gewesen.

 

Hermann und Elsbeth Zeller (Foto: Archiv Heimatverein)